Hauselternportrait: Acht Jahre Liebe und Engagement an der St. Josefs Indianerschule

Robbie und Stephen sind Hauseltern in einem Wohnhaus für Schülerinnen und Schüler der 4. bis 6. Klasse an der St. Josefs Indianerschule. Ihre Geschichte zeigt, dass Gutes entstehen kann, wenn man den Mut hat, etwas zu wagen.
Im „Fisher Haus“ der St. Josefs Indianerschule herrscht diese besondere Energie, die nur zwölf Jungen erzeugen können. Schuhe landen auf einem Haufen neben der Tür. Jemand erledigt in letzter Minute noch schnell eine Aufgabe und wischt mit übertriebener Begeisterung die Arbeitsfläche ab. Ein anderer schlendert zur Küche, in der Hoffnung, heimlich von dem zu kosten, was auf dem Herd köchelt.
Stephen und Robbie, die Hauseltern des Wohnhauses, bewegen sich mit geübter Ruhe durch das lebhafte Treiben. Sie erinnern einen Jungen daran, sich die Hände zu waschen, lenken einen anderen zum Esstisch und weisen den Jungen, der das Besteck auslegen soll, freundlich darauf hin, dass er an der Reihe ist. Es ist ein vertrauter Rhythmus – anleiten, ermutigen und das Chaos sanft in etwas verwandeln, das sich wie ein Zuhause anfühlt.
Bald wird es etwas ruhiger. Die Jungen nehmen Platz; einige sprudeln noch vor Geschichten über ihren Tag, andere greifen bereits nach einem zweiten Nachschlag. Es ist lebhaft, unvollkommen und voller Herzlichkeit.
Und genauso sieht jeden Abend ein Familienessen im „Fisher Haus“ aus. Zwölf Jungen. Zwei Hauseltern. Ein Zuhause.
Eine Berufung, die mit einem Sprung ins Ungewisse begann.
Stephen und Robbie betraten 2018 zum ersten Mal die St. Josefs Indianerschule – voller Energie und Hoffnung. Von ihren Wurzeln im Süden, in Louisiana und Mississippi, hatten sie einen weiten Weg zurückgelegt und sich noch weiter von der Geborgenheit ihres Zuhauses entfernt. Stephen war zuvor noch nie geflogen, sodass das Abenteuer bereits vor ihrer Ankunft begann.
Ihre Familien machten sich wegen der Entfernung Sorgen. Chamberlain in Süddakota liegt mehr als 1.600 Kilometer entfernt, doch das Paar fühlte sich weiterhin zu etwas Größerem berufen – selbst in einer kleinen Stadt in Süddakota.
„Wir haben keine eigenen Kinder“, sagte Stephen. „Wir wussten, dass wir mit Kindern arbeiten wollten. Wir dachten: Wir geben dem Ganzen ein Jahr und …“
„… und dann sind acht Jahre vergangen“, sagte Robbie lachend und fiel ihm ins Wort.
Dieser Vertrauenssprung entwickelte sich zu einer Lebensaufgabe.
Einige der Lakota-(Sioux-)Schülerinnen und -Schüler an der St. Josefs Indianerschule kommen aus Reservats-Gemeinschaften, in denen Armut tief verwurzelt und der Alltag unvorhersehbar sein kann. Manche Familien leben in überfüllten Wohnungen, haben nur eingeschränkten Zugang zu Lebensmitteln und müssen weite Wege zu Schulen oder anderen Einrichtungen zurücklegen. Stabilität ist nicht immer gewährleistet. Deshalb ist die Anwesenheit verlässlicher, fürsorglicher Hauseltern für indigene Kinder, die ihren Weg suchen, von so großer Bedeutung.
Als Hauseltern mit Sechs-Tage-Schichten sind Stephen und Robbie im „Fisher Haus“ diese verlässlichen, fürsorglichen Bezugspersonen. Während ihrer Schicht wecken sie die Jungen, helfen bei den Hausaufgaben, nehmen an Besprechungen teil, koordinieren Termine, kochen Mahlzeiten, begleiten die Erledigung von Aufgaben und geben dem Alltag seinen Rhythmus. Sie begleiten die Kinder in ihren besten, ihren schwierigsten und allen Momenten dazwischen.
„Es ist wie Elternsein“, sagte Stephen.
Ihre Tage beginnen früh mit Frühstück, Schulranzen und dem zur Schule bringen. Während die Kinder im Unterricht sind, gibt es zwar eine etwas ruhigere Zeit, doch die Arbeit setzt sich bis in die Abende fort – mit Sport, Terminen, Hausaufgaben und den kleinen, aber bedeutsamen Ritualen, die aus einem Haus ein Zuhause machen.
Und ja, zwölf Jungen sorgen für viel Trubel. Robbie lachte: „Man gewöhnt sich daran.“

Hier nehmen Robbie und Stephen beim Powwow von St. Josefs am Kartoffeltanz teil. Indem sie diese Teilnahme vorleben, geben sie auch den Schülerinnen und Schülern den Mut, vor anderen zu tanzen.
Übergänge zwischen den Schülern gehören zum Alltag. Die Jungen kommen als junge Viertklässler unsicher und mit großen Augen in ihr Zuhause auf dem Campus. Bis zur sechsten Klasse sind sie zu Vorbildern geworden: Sie helfen jüngeren Schülern, leben Verantwortungsbewusstsein vor und zeigen die Selbstständigkeit, die Stephen und Robbie in ihnen gefördert haben.
Diese Entwicklung mitzuerleben ist ein Segen, zugleich aber auch bittersüß, denn sie bedeutet auch, dass die Jungen in ein Wohnhaus für die siebte und achte Klasse wechseln werden.
„Das Schwierigste an der Arbeit ist, unsere Sechstklässler weiterziehen zu lassen. Man hat sie drei Jahre lang bei sich und baut eine Verbindung zu ihnen auf, und dann muss man sie weiterziehen lassen“, sagte Stephen.
Robbie sagt, diese Momente seien manchmal sehr emotional.
„Jeder einzelne der Jungen aus der sechsten Klasse umarmte mich und weinte, und ich weinte mit ihnen, weil ich nicht wollte, dass sie gehen“, sagte Robbie.
Zum Glück sehen sie die Jungen weiterhin auf dem Campus – manche sogar auf der anderen Straßenseite, denn die Wohnhäuser liegen nebeneinander. Noch immer gibt es Umarmungen in der Einfahrt. Noch immer teilen sie übrig gebliebenes Essen. Noch immer erhalten sie Neuigkeiten von Lehrkräften und Trainern. Und wenn der Schulabschluss kommt, blicken die Jungen oft zurück und erinnern sich an die Menschen, die ihren Weg mitgeprägt haben.
„Das bedeutet uns die Welt“, sagte Stephen. „Wenn ein Schüler zurückblicken und sagen kann: Ihr habt das aus uns gemacht. Ihr habt uns wirklich geholfen, als wir älter wurden.“

Im Jahr 2023 erhielten Stephan und Robbie, Hauseltern an der St. Josefs Indianerschule bei der Veranstaltung „Catherine Hershey National Awards“ in Oacoma, Süddakota, eine Auszeichnung für ihre hervorragende Arbeit in der stationären Betreuung. (Von links): Tom Robinson, Präsident der Milton Hershey School; Don Forrester, Geschäftsführer der Coalition of Residential Excellence; Stephan und Robbie; sowie Sean, Koordinator für die Wohnbetreuung der Klassen 4 bis 6 an der St. Josefs Indianerschule.
Hauseltern bauen nicht nur Beziehungen zu den Schülerinnen und Schülern in ihren Wohnhäusern auf – sie nehmen sie in die „thiyóšpaye“, die erweiterte Familie, auf. Zu ihr gehören auch die Angehörigen der Schüler.
„Wir bemühen uns stets um den Kontakt mit Eltern und Sorgeberechtigten“, sagte Robbie. „Nicht nur die Kinder sollen sich willkommen fühlen, sondern auch ihre Familien. Um mit den Kindern arbeiten zu können, müssen sowohl das Kind als auch die Familie einem vertrauen. Wir möchten partnerschaftlich zusammenarbeiten.“
Im Laufe der Jahre haben sich diese Beziehungen vertieft. Die Familien erkundigen sich nach den Angehörigen von Stephen und Robbie. In schwierigen Zeiten fragen sie nach, wie es ihnen geht. Sie bleiben noch lange in Verbindung, nachdem ihre Jungen in das nächste Wohnhaus der St. Josefs Indianerschule gewechselt sind.
Stephen sagte: „Es ist gegenseitige Fürsorge.“
Was ist der erfüllendste Teil der Arbeit? Die Jungen selbst.
„Es sind immer die Kinder“, sagt Robbie. Sie aufwachsen zu sehen. Zu erleben, wie sie ihren Weg machen. Zu sehen, wie gut sie sich entwickeln – das ist für Stephen und Robbie der erfüllendste Teil.
Es braucht einen besonderen Menschen, um ein Hauselternteil zu sein. Es braucht Beständigkeit, Mitgefühl und unerschütterliches Engagement für Kinder, die auf eine bessere Zukunft hinarbeiten.
Scott, ein Familienberater an der St. Josefs Indianerschule, würdigte Stephen und Robbie für ihre Arbeit.
„Seit acht Jahren hier zu sein, ist in diesem Bereich – der stationären Kinder- und Jugendhilfe – tatsächlich eine lange Zeit, und zeigt, wie sehr sie sich für diese Familien engagieren. Das andere ist offensichtlich … wie sehr ihnen die Menschen am Herzen liegen. Ich kann das sehen, und die Kinder müssen es ebenfalls sehen.“
Stephen und Robbie lächeln bescheiden. Denn letztlich ist es ganz einfach …
.. sie kamen an die St. Josefs Indianerschule, weil sie mit Kindern arbeiten wollten. Sie blieben, weil diese Kinder Teil ihres Herzens wurden.
Und jeden Abend wird diese Liebe an einem voll besetzten Esstisch sichtbar – gleich zwölfmal.